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Zwischen Sexstreik und Friedenssehnsucht: Schauspielschüler spielen „Lysistrata“

21.09.2026·Kölner Stadt-Anzeiger

Für die Studiobühne hat René Böttcher den antiken Stoff aus der Feder des Dichters Aristophanes inszeniert.

Siegburg – Der Ursprung des neuesten Stücks der Studiobühne reicht genau 2437 Jahre in die Vergangenheit zurück. Die Komödie „Lysistrata“ des griechischen Dichters Aristophanes entstand zu einer Zeit, als die Gesellschaft sich noch fundamental von unserer heutigen unterschied. Regisseur René Böttcher spricht von „Taliban-Verhältnissen“, in denen Frauen das Haus kaum verlassen konnten.

Zum historischen Hintergrund: Im Griechenland des Jahres 411 vor Christus tobt der Peloponnesische Krieg zwischen Athen, dem Attischen Seebund, und Sparta, dem Peloponnesischen Bund. Die Hauptfigur, die Athenerin Lysistrata, in Siegburg gespielt von Zoe Johanna Coupette, ruft daraufhin einen Sex-Streik auf beiden Seiten des Konflikts aus. Geschlechtsverkehr gibt es erst wieder, wenn die Männer den Krieg beenden. „Lysistrata ist eigentlich wie eine Klimakleberin, sie rastet aus, hat genug von allem und nimmt das Problem selbst in die Hand“, meint der Regisseur. Das ebenso pazifistische wie emanzipatorische Werk setzt Böttcher nach der modernen Adaption von Erich Fried um.

Schauspielschüler im dritten Jahr und Absolventen verkörpern die Figuren. Zu Beginn des Stücks sieht das Publikum im ehemaligen Kaufhof-Gebäude eine Bühne voller Säulen aus Folien. Ein Symbol für das Undurchsichtige, in dem die Darsteller sich verheddern oder dahinter verschwinden. Diese Foliensäulen werden im Verlauf des 100-minütigen Stücks nach und nach heruntergerissen, der Blick scheint immer klarer. Böttcher versteht das Stück zwar auch als Ausdruck unserer Zeit, möchte dem Publikum aber keine Anhaltspunkte geben, die Handlung zeitlich zu verorten.

Die Frauenrollen tragen Kostüme aus verschiedenen Modeepochen des 20. Jahrhunderts, die Männer hingegen allesamt antike griechische Gewänder und Sandalen. Sie scheinen also in der Zeit stehengeblieben zu sein. Die Männer wuchten auf der Bühne dauernd riesige Penisse durch die Gegend, stemmen damit Türen auf und bedrohen andere. Der Phallus ist scheinbar ein Instrument der Macht. Trotzdem leiden die Figuren, da sie ihre Lust nicht loswerden. Die Männer gehen also ohne das andere Geschlecht irgendwann völlig unter.

Ihnen bleibt es nur, sich dem Streik der Frauen zu ergeben und den Krieg zu beenden: Die Erlösung. Doch wie lange hält der Frieden? Letztlich wird in „Lysistrata“ Gewalt mit Gewalt besiegt. Eine moralische Frage, die nach einer durchweg amüsanten Komödie zurückbleibt. Mitunter fühlt sich das Stück nach einer Unterhaltungsshow an, es ist sehr rasant und temporeich erzählt, mit vielen Musik- und Tanzeinlagen. Zu hören ist Musik aus den 1930er und 1940er Jahren bis hin zum ekstatischen Verdi-Requiem.

von Jonathan Schmitt

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