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Grundsatzdiskussion an der Ikea-Kasse

22.05.2026·Kölner Stadt Anzeiger

Studiobühne zeigt das Stück „Atmen“ über die Frage der Familiengründung

Siegburg – Eine weiße, kugelrunde Hängeleuchte aus Papier gehört ebenso wie Bücherregal Billy oder das Bällebad am Eingang des „unmöglichen Möbelhauses aus Schweden“ zur deutschen Alltagskultur. Gerade für junge Pärchen, die die Einrichtung für die erste gemeinsame Wohnung kaufen. Aber liegt es deshalb nahe, in der Schlange vor der Kasse die Frage zu klären, ob ein Kind als Mitbewohner gewünscht ist? Ein junger Mann jedenfalls erweckt damit durchaus zwiespältige Gefühle mit einigem Konfliktpotenzial bei seiner Partnerin.

Turbulent und tiefsinnig

Die Szene ist die Ausgangssituation für eine ebenso turbulente wie tiefsinnige Komödie, die am Freitagabend, 22. Mai, Premiere hat. Nicht bei Ikea in Köln-Godorf, sondern auf der ehemaligen Saturnebene im Siegburger Kaufhof, die von der Studiobühne und der genutzt wird.

72 papierene Kugelleuchten hängen in drei fahrbaren Ständern, die das sechsköpfige Ensemble als Hintergrund nutzt, zwischen den Leuchten verschwindet oder zu einem Separee verschieben kann. Davor, dahinter oder mittendrin, geht es hoch her. Denn die Entscheidung, einen Menschen in die Welt zu setzen, hat es in sich: Wer gibt den Beruf auf? Sie, die kurz vor der Promotion steht, oder er, der als nicht allzu erfolgreicher Musiker kaum eine Familie ernähren könnte? Wie wirkt sich die Schwangerschaft auf den Körper, auf das Liebesleben aus? Auch über den CO2-Fußabdruck, den ein zusätzlicher Erdenbewohner mit sich bringt, muss gesprochen werden, über Überbevölkerung, Erziehung und Konsumverhalten.

„Atmen“ heißt das Stück nach der Vorlage „Lungs“ des britischen Dramatikers Duncan Macmillan, das 2011 in Washington Premiere hatte. Christoph Wolff, bekannt aus seinen Rollen als René Benko in „Kaufhof Monopoli“, Butler James in „Dinner for One“ oder Privatdetektiv Phil Dick in „Schnüffler, Sex und schöne Frauen“ bekannt, legt mit der Komödie seine erste Regiearbeit vor. Das ungewöhnliche Bühnenbild stammt von Wolff, auch der Einfall, die weibliche Rolle viermal, die männliche Rolle zweimal zu besetzen. Am Anfang wirkt das skurril, doch der Zuschauer findet schnell in die manchmal zweistimmigen, manchmal vielstimmigen Dialoge, in den die jungen Mimen von der Schauspielschule präzises Timing und starken Ausdruck zeigen. Die Mehrfachbesetzungen verdeutlichen auch, dass der Konflikt für eine Generation steht, die sich hin- und hergerissen sieht zwischen Familienglück, individuellen Plänen und Sorgen um Überbevölkerung und Klimakrise.

„Sind wir gute Menschen?“, das sei im Prinzip die Schlüsselfrage, erläutert Christoph Wolff im Gespräch. Er ist sicher, dass sich mehrere Generationen über das Stück gut austauschen werden können. Einfacher sei die Entscheidung für oder gegen Kinder wohl kaum geworden. „Früher wurden solche Gespräche bestimmt anders geführt.“

von Andres Helfer

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