Peter Pan fliegt über Siegburger Dächer
Die Studiobühne inszeniert den Kultklassiker „Peter Pan“ als Open-Air-Theaterstück im Johannisgarten auf dem Michaelsberg
Siegburg. Wenn ein Junge, der durch geöffnete Fenster in die Zimmer von anderen Kindern fliegen kann oder seinen Schatten verliert, kann das für die Figur Peter Pan zu Komplikationen führen. Auf der Suche nach seinem verlorenen Schatten wird Peter Pan von einem Kind namens Wendy entdeckt. Er nimmt Wendy mit auf seine Reise in das fantastische Nimmerland, wo Piraten und Räuber ihr Unwesen treiben und Peter Pan als Held die Magie der Kindheit verteidigt. Auf Feen-Zauber folgen Piraten und Räuber.
Die Geschichte von Peter Pan wird von Schüler:innen im ersten Ausbildungsjahr an der Schauspielschule Siegburg erneut im Johannisgarten auf dem Michaelsberg aufgeführt. Darauf folgen 31 weitere Aufführungen, für die es noch Karten zu kaufen gibt, die Premiere am 17. Mai ist ausverkauft. Bereits die Aufführungen zu dem Theaterstück Dornröschen fanden Open-Air statt. Die Proben liefen in den letzten fünf Wochen auf Hochtouren und es wurde bis zuletzt an der Inszenierung in der märchenhaften Kulisse des Johannisgartens auf dem Michaelsberg gefeilt.
Mit den erfolgreichen Umsetzungen der Märchen „Sterntaler“, „Frau Holle“ und zuletzt „Dornröschen“ in 2024 hat das Regie-Duo aus Julie Fee und Vanessa Stoll eine satte Menge an Feen-Zauber bereits in den vergangenen Jahren über Siegburg und die hier lebende Theatergemeinde gebracht. Dagegen bietet Peter Pan nun etwas anderes. „Nach dem vielen Feen-Zauber war nun mal endlich ein echtes Piraten-Räuber-Stück fällig“, sagt Vanessa Stoll. Sie erfüllt sich mit ihrer jüngsten Open-Air-Inszenierung einen persönlichen Wunschtraum. „Bereits als Kind habe ich die Geschichte von Peter Pan geliebt“, sagt sie. „Er ist ja so etwas wie die männliche Pipi Langstrumpf und kommt bei Jungen und Mädchen gleichermaßen an.“
Deshalb wird tief in die Requisitenkiste gegriffen. Die Regisseurinnen lassen die Säbel kräftig rasseln, wenn Peter Pan etwa gegen Captain Hook kämpft. Auch ein Krokodil ist im Spiel, das sich auf der Mauer bis an das Johannistürmchen heranschleicht, während eine verschluckte Uhr bei ihm tief in der Magengrube ganz kräftig tickt. Das Ticken wiederum bereitet einem Räuber kräftig Angst, denn er trägt nicht ohne Grund anstelle seiner bereits abgebissenen Hand einen silbernen Haken. Doch keine Angst: Wenn die Seeräuber zum Kampf eine Packung Dynamit in die Hände nehmen, dann muss im Publikum niemand in Deckung gehen. „Es ist alles nur Theater“, betonen Stoll und Fee. Dafür mussten sie sogar das Ordnungsamt beschwichtigen, das einen Kontrollgang machte und entlang der Open Air-Bühne machten und den Sprengstoff musterte.
„Um es spielerisch zu entschärfen, wurden hier bewusst Comic-Elemente eingebracht, die das Dynamit und das Krokodil zur ungefährlichen Requisite machen“, sagt Stoll, die die Spielfreude und Gestaltungslust mit ihren Jungschauspielern teilt. Die kindliche Leichtigkeit des Peter Pan verkörpert Asa Joel König mit geradezu raumfüllender Spielfreude. Für die kleine Wendy (gespielt von Anica Abbenhaus) wird er schnell zum Helden. Das Stück ist nicht nur ein großartiger Theaterspaß für Kinder, sondern hat jede Altersgruppe als Zielgruppe. „Schließlich sollte jeder von uns sich noch ein Stück Kindheit bewahren“, sagt Stoll.
von Susanne Haase-Mühlbauer