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Unser Theater

Philosophie der Schule

Kunst ist kein Luxus-Gut sondern ein Grundbedürfnis. Der Mensch muss neben der körperlichen auch geistig-seelische Nahrung aufnehmen, um ein reichhaltiges Leben in Würde führen zu können. In einer ohnehin bis in alle Lebensbereiche durchökonomisierten Gesellschaft braucht es die Oasen der Kunst - ohne Musik, Tanz, Bilder, Skulpturen, Dichtung, Theater, Film, Architektur oder Gestaltung auskommen zu müssen - die Trostlosigkeit mag man sich nicht vorstellen.

Das Theater ist ein besonderer Ort um Geschichten in ihrer verdichteten Form zu erleben und sich den bedeutenden, uns alle betreffenden Daseins-Themen durch die handelnden Figuren anzunähern. Die körperlich-sinnlichen Entäußerungen von Gedanken und Gefühlen bieten dem Zuschauer die Möglichkeit, sich in andere Menschen und Situationen einzufühlen, Denkanstöße zu erhalten, Vorurteile abzubauen, Bewusstsein und Selbsterkenntnis hinzuzugewinnen.

Daraus folgt für den Schauspieler, dass neben der Beherrschung von Körper, Stimme und Sprechwerkzeugen die Beobachtungsgabe und Phantasie, das Einfühlungsvermögen sowie ein unvoreingenommenes, folgerichtiges Denken elementare Grundlagen für seine künstlerische Arbeit bilden. Darüber hinaus sind Gestaltungswille, Disziplin, Kollegialität, Eigenverantwortung und eine kluge Selbstorganisation wichtige Kriterien für ein erfülltes Berufsleben.

Sind diese o. g. Fähigkeiten auf der Schauspielschule Siegburg erlernbar? Braucht es dafür nicht ein überragendes Talent, eine gewisse Vorbildung und einen durchtrainierten Körper?

Zunächst einmal muss klar sein, dass man ein Leben lang an der Verbesserung dieser Fähigkeiten arbeitet. Eine Schauspielausbildung kann im besten Falle eine gute Basis schaffen und Handwerkszeug mit auf den weiteren Weg geben. Talent ist sehr hilfreich und in gewissem Maße auch notwendig, verkümmert aber ohne die richtige Pflege und Disziplin. Eine berufsspezifische Vorbildung ist nicht notwendig, kann in manchen Fällen aufgrund eingefahrener Routine und festgefahrenem Denken sogar hinderlich sein. Die einzige körperliche Voraussetzung ist Gesundheit und eine geschmeidige Beweglichkeit. Ganz wesentliche Bedingungen für eine Ausbildung an der Schauspielschule Siegburg sind die Bereitschaft und Überzeugung, das Richtige zu wollen wie auch die Offenheit und Toleranz gegenüber den eigenen Schwächen und wesensfremden Gedanken, kurz: Die Liebe zum Darstellerberuf!

Die Pädagogen der Schauspielschule Siegburg sind der tiefen Überzeugung, dass nur ein selbstbestimmter Mensch, auf der Suche nach innerer Freiheit, ein guter und verantwortungsvoller Künstler sein kann. Sie sehen in der schauspielerischen Darstellung immer auch einen Akt der Selbsterkenntnis. In diesem Sinne ist die Schauspielschule Siegburg als eine Art „Lebensschule“ zu verstehen, die einige Besonderheiten in der Ausbildungspraxis beinhaltet:

  • Eine überschaubare Schülerschaft von maximal 32 Teilnehmern und z. Zt. 8 Pädagogen gewährleisten eine intensive Arbeits- und Kommunikations-Atmosphäre, d.h. die Pädagogen kennen jeden Schüler und sind untereinander in stetigem Gedankenaustausch.
  • Der Schüler hat die Möglichkeit, vom ersten Jahr an auf der Studiobühne Siegburg (ein der Schule angeschlossenes Theater) für die Öffentlichkeit zu spielen. Auf intensive Probenwochen mit wechselnden und auch fremden Regisseuren folgen in der Regel bis zu 20 Theatervorstellungen, die eine äußerst wertvolle praktische Erfahrung darstellen.
  • Statt Zwischenprüfungen abzuhalten, führt das Pädagogen-Team in jedem Semester Einzelgespräche mit den Schülern, um Ausbildungsstand und Entwicklung gezielt zu ermitteln sowie spezifische Analysen und Hilfestellungen zu geben. Davon abgesehen sind die Theatervorstellungen als härteste Prüfung anzusehen.